Echte Bildung hat einer Berufsausbildung Platz gemacht, deren Resultat nur allzu oft der gut ausgebildete, aber ungebildete Fachmann ist. Diese Beurteilung der deutschen Bildungslandschaft trifft wohl allgemein auf die Bevölkerung in Deutschland zu.

 

Die Entwicklung der Wissenschaften hat eine zunehmende Zahl von Fachdisziplinen hervorgebracht, die mehr und mehr den Blick auf das große Ganze verstellen.

 

So kommen Sinn- und Existenzfragen zu kurz, Orientierungswissen, die geistigen und kulturellen, aber auch Ihre personalen und sozialen Kompetenzen, die heute im schnellen gesellschaftlichen Umbruch benötigt werden, können nicht heranreifen.

 

Diesem Trend wird versucht, durch eine Ergänzungsausbildung gerecht zu werden, die mittlerweile von vielen deutschen Universitäten und Hochschulen und sogar Volkshochschulen angeboten wird. Auch hier zeigt sich die typische Zersplitterung des wissenschaftlichen Ansatzes: Kontaktstudium, Ergänzungsstudium, Studium generale, Studium fundamentale, Studium universale, alles Ansätze, die der zunehmenden Unüberschaubarkeit des gesammelten Wissens entgegenwirken sollen und in ihrer Vielfalt der möglichen Ansätze horizontale Brücken zwischen den Wissenschaften bilden. Für die gesuchte erneuerte humanistische Bildung greifen alle Ansätze leider zu kurz, versuchen Sie doch die Lösung aus dem bestehenden Wissenschaften heraus zu formulieren, ohne sich um die Tiefendimension der getrennt operierenden Bereiche zu bemühen, eine Dimension, die sich dem klassisch-wissenschaftlichen Ansatz entzieht.

 

Recherchiert man einmal, was unter den verschiedenen Begriffen für ein ergänzendes Studium heute verstanden wird:

 

Ziel des Kontaktstudiums, Ergänzungsstudiums ist es,

wissenschaftsinteressierten Menschen den Zugang zur Universität zu erleichtern... Das Studium dient der persönlichen Weiterbildung, ein Studienabschluss wird nicht erlangt (Universität Hamburg)

 

...Das Kontaktstudium als Eingangshilfe zum Hochschulstudium....

 

Das Studium generale

bietet eine Zusammenstellung von Lehrveranstaltungen, die von allgemeinem und fächübergreifendem Interesse sind (LMU München)

Das Studium generale ist im Spannungsfeld zwischen Lehre, Forschung und Gesellschaft angesiedelt und beschäftigt sich mit komplexen, fachübergreifenden Themen. (Gemeinsame Präambel der Sächsischen Hochschulen für das Studium generale)

Ähnlich wie im "alten" Studium Generale werden auch im neuen Studium Generale Inhalte ganz unterschiedlicher Disziplinen vermittelt, um Studenten einen Blick über die engen Grenzen des eigentlichen Studienfaches zu vermitteln (Der Studiumratgeber)

 

...Das Studium generale zur Überwindung der sonst engen Sicht der Einzeldisziplinen...

 

Im Studium fundamentale (Universität Witten/Herdecke)

bekommen die Studierenden neue Horizonte aufgezeigt, erschließen sich übergreifende Zusammenhänge und erhalten schlicht und einfach die Möglichkeit, anders zu denken und zu handeln...

 

...Das Studium fundamentale zur Erschließung neuer Horizonte für übergreifende Zusammenhänge....

 

Das Studium universale

steht für einen, über die einzelnen Wissenszweige hinausgehenden, Anspruch auf universale Bildung, wie er von Friedrich Wilhelm von Humboldt begründet wurde. (Universität Leipzig)

Ursprünglich geht es auf das neuhumanistische Konzept der universellen Lehre von Friedrich Wilhelm von Humboldt zurück, es steht in der Tradition der humanistischen Universitäten der Renaissance und dem ganzheitlichen Bildungsideal der Antike. In der Praxis richtet es sich an alle, die eine breite und trotzdem fundierte wissenschaftliche Ausbildung suchen, die ihr Wissen und Können erweitern wollen. Es ist konzipiert für Studierende, die eine Vertiefung nicht nur im eigenen Studienfach, sondern in Verbindung mit anderen Fächern und Disziplinen einen interdisziplinären Dialog suchen (INUA - Internationales Netzwerk für Universitäten-Altdorf)

 

...Das Studium universale als Kontrapunkt zu formalen Berufsbildungsqualifikationen, die an den Anforderungen der Wirtschaft und Industrie ausgerichtet sind

 

Und Wikipedia macht es sich einfach:

Als Studium generale (vereinzelt auch Kontextstudium, Allgemeine Studien, Studium fundamentale oder Studium universale genannt) werden heutzutage meist alle nicht obligatorischen, öffentlichen Lehrveranstaltungen einer Hochschule bezeichnet

 

Es ist die Volkshochschule Frankfurt/Main, die aus dem allgemeinen Trend ausbricht:

Die atemberaubende Genialität der Beschaffenheit des Universums und des Lebens betrachten wir voller Ehrfurcht und Staunen. Wem drängt sich dabei nicht der Wunsch nach einer umfassenden Erklärung auf? Aber können wir überhaupt sinnvoll über Dinge nachdenken und Theorien aufstellen, die weit über die Welt der Erscheinungen, wie wir sie mit unseren Sinnen wahrnehmen, hinausgehen? Wie können wir eine Wirklichkeit jenseits der menschlichen Existenz erforschen? Diese Fragen beschäftigen uns, neben vielen anderen Inhalten, im aktuellen Themenschwerpunkt des Studium Generale.

Der aktuelle Wissensstand über die Naturgesetze legt nahe, dass es ein abstraktes und unveränderliches Konzept gibt, dass der Existenz zugrunde liegt. Wie aber sind die Naturgesetze entstanden? Wie können wir uns das Verhältnis von Geist und Materie, von Zeit, Raum und Kausalität, von Determinismus und Zufall vorstellen?

Welche Form der Logik steht dem Menschen zur Verfügung, um Annahmen über den Ursprung zu entwickeln, wenn wir den Bereich des empirischen Wissens verlassen? Welche Rolle spielt dabei die Mathematik? Oder brauchen wir für ein Verständnis der Dinge weit mehr als die Wissenschaft? Kommen wir doch auch mit ihr immer wieder an eine Grenze, an der uns metaphysische Erfahrungen begegnen.

 

In diesem Text zeigt sich das Ringen um das Bildungsziel einer "Einheit in der Vielfalt". Das heißt zuerst Offenheit gegenüber der Vielfalt der Erkenntniswege anderer, auch indigener Kulturen. Dabei ist die eigentliche Heraus-forderung, dass Einheit und Vielfalt nicht in einem logischen Weltbild umfasst werden können. Historisch gesehen finden sich aber immer wieder große Denker, die die Vielfalt der Objekte mit der "zugrundliegenden Einheit aller Dinge" zu verbinden versuchen. Hier finden sich interkulturell zahlreiche Ansätze für einen empirisch geforderten neuen ganzheitlichen Bildungsansatz.

 

Der Ausdruck eines "Studium Universale" im Sinne von ganzheitlichem, allumfassenden, universellem Wissen scheint uns diesen ganzheitlichen Ansatz des Wissens am Besten auszudrücken. Ins Zentrum stellen wir eine "vertikale Bildung", die jedes Wissensobjekt in seiner Tiefendimension in Beziehung zu einer zugrundeliegenden Ganzheit setzt und Denkmodelle entwirft, die aus dieser Ganzheit die erfahrbare Welt wieder ableiten lässt.

Diese Webseite beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Erarbeitung von Konzepten für eine vertikale Bildung. 

Wir danken für die Projektförderung durch die Stiftung Bildungsforschung.

Hier schreiben:

  • Prof. Dr. Hartmut Schenkluhn
  • Dipl. Math. Georg Dick
  • Gastautorinnen und -autoren.

 

 

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